Rainer Maria Rilke

Death Experienced

 

We have no knowledge of this going that
Shares nothing with us, and there are no grounds
For showing either wonder, love, or hate
To Death. The mask of tragic grief he dons

Is something into which his features screw.
The world is always full of roles we play;
As long as we fear what the world will say
(Although he does not please us), Death acts, too.

But when you went, there burst upon this scene
A flash of something real. It broke in through
That opening you left: green—truly green,
True sun that shone, and forests that were true.

And still we act, nervous, learning by rote
The hardest lines, and finding, now and then,
Gestures. But your existence, so remote
From our performance, in its wonder can

Be sometimes overwhelming, like our sense
Of real life sinking in; can be the cause,
For just a little while, of rapture, since
We stage our lives not thinking of applause.

 

                                                  Translated by Len Krisak

 

Todeserfahrung
 

Wir wissen nichts von diesem Hingehn, das
nicht mit uns teilt. Wir haben keinen Grund,
Bewunderung und Liebe oder Haß
dem Tod zu zeigen, den ein Maskenmund

tragischer Klage wunderlich entstellt.
Noch ist die Welt voll Rollen, die wir spielen.
Solang wir sorgen, ob wir auch gefielen,
spielt auch der Tod, obwohl er nicht gefällt.

Doch als du gingst, da brach in diese Bühne
ein Streifen Wirklichkeit durch jenen Spalt
durch den du hingingst: Grün wirklicher Grüne,
wirklicher Sonnenschein, wirklicher Wald.

Wir spielen weiter. Bang und schwer Erlerntes
hersagend und Gebärden dann und wann
aufhebend; aber dein von uns entferntes,
aus unserm Stück entrücktes Dasein kann

uns manchmal überkommen, wie ein Wissen
von jener Wirklichkeit sich niedersenkend,
so daß wir eine Weile hingerissen
das Leben spielen, nicht an Beifall denkend.